Ewig jung dank Supplements? Der Longevity-Trend im Faktencheck
- vor 5 Tagen
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Longevity – Was ist das?
Unter dem Begriff Longevity wird aktuell die Idee vermarktet, den Alterungsprozess mit Nahrungsergänzungsmitteln und Lifehacks wie Eisbaden, speziellen Diäten oder anderen Routinen zu stoppen. Der Traum vom Jungbrunnen ist jedoch keineswegs neu – er begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten. Im Kern steht die Vorstellung, Altern sei eine behandelbare „Krankheit“, die sich mit der richtigen Substanz heilen lasse.
Was sagt die Wissenschaft?
Der Ernährungsmediziner Martin Smollich bringt es auf den Punkt:
«Never say never, das gilt für überall und erst recht in der Wissenschaft. Ich will nicht ausschliessen, dass es in hundert Jahren vielleicht doch die Möglichkeit gibt, Alterungsprozesse zu stoppen oder umkehren.»
Nach aktuellem Wissensstand gibt es jedoch kein Supplement und kein Lebensmittel, das den Alterungsprozess beim Menschen nachweislich verlangsamen oder umkehren kann. Am Ende des Blogs findest du jedoch Verhaltenstipps, welche deine Lebenserwartung erwiesenermassen erheblich steigern können.
Die häufigsten Longevity-Supplemente und ihre Fakten
Wir konzentrieren uns hier vor allem auf die häufigsten Supplemente, welche in der Longevity Bewegung beworben und eingesetzt werden und schauen uns deren Fakten nach aktuellem Wissenschaftlichen Stand an.
Spermidin
Spermidin wird stark als Anti-Aging-Wirkstoff beworben, obwohl ein Wirksamkeitsnachweis fehlt. Es wurde erstmals in Sperma entdeckt, kommt jedoch in nahezu allen Körperzellen sowie in Lebensmitteln wie Sojabohnen, Käse und Pilzen vor. Gesundheitsrisiken sind bislang nicht bekannt, belegte Vorteile jedoch ebenfalls nicht. Eine Studie von 2022 deutet darauf hin, dass Spermidin im Darm abgebaut wird und gar nicht in den Körper aufgenommen werden kann.
Nicotinamid-Mononukleotid NMN
NMN ist eine Form von Vitamin B3 (Niacin). In Tierversuchen konnten altersbedingte Veränderungen reduziert werden. Beim Menschen fehlt dieser Nachweis bislang. Zudem gibt es zu wenige Daten, um langfristige Nebenwirkungen sicher beurteilen zu können. Da NMN in jeder Körperzelle eine Rolle spielt, ist Vorsicht angebracht, bis mehr Forschungsergebnisse vorliegen.
Oligomere Proanthocyanidine OPC
Ein klarer Nachweis gesundheitlicher Vorteile fehlt. Zahlreiche Studien, welche eine angeblich positive Wirkung zeigen, weisen methodische Schwächen auf und sind daher nicht aussagekräftig. Zur langfristigen Einnahme existieren keine verlässlichen Daten. Wichtig: In Kombination mit Blutverdünnern sowie während Chemo- oder Strahlentherapie kann OPC die Wirksamkeit von Krebsbehandlungen beeinträchtigen.
Resveratrol
Resveratrol wird vom menschlichen Körper kaum aufgenommen. Um überhaupt eine minimale Wirkung zu erzielen, wären sehr hohe Mengen notwendig. In solchen Dosierungen kann es jedoch zu Wechselwirkungen mit zahlreichen Medikamenten kommen.
Glutathion GSH
Glutathion wird im Magen-Darm-Trakt schnell abgebaut und gelangt kaum in die Zellen. Selbst Moleküle, welche es ins Blut schaffen, können nicht von den Zellen aufgenommen werden. Ein gesundheitlicher Nutzen ist bislang nicht nachgewiesen.
Ashwagandha
Ashwagandha ist eine Pflanze aus Indien. Eine stressreduzierende Wirkung ist bei einer Einnahme von 250 mg der getrockneten und gemahlenen Wurzel belegt. Ein Einfluss auf Alterungsprozesse ist jedoch nicht nachgewiesen. Langzeitdaten fehlen, und es existieren Berichte über Leberschäden im Zusammenhang mit der Einnahme. Zudem sind zahlreiche Wechselwirkungen mit Medikamenten bekannt. Ashwagandha steht daher auf Risikolisten für Nahrungsergänzungsmittel.
Was du wirklich tun kannst
Um möglichst gesund alt zu werden, kannst du trotzdem etwas tun, auch ohne die viel versprochenen und teuren Supplemente von Longevity. Mit einem gesunden Lebensstil, kannst du dein Leben um ca. 12 bis 17 Jahre verlängern (je nach Quelle)!
Ernährung
vollwertig und abwechslungsreich
viel Gemüse & Obst
Hülsenfrüchte, Beeren, Nüsse
hochwertige pflanzliche Öle
Körpergewicht
Unter- und Übergewicht vermeide
Mikronährstoffe
Mängel (z. B. Eisen, Vitamin D, Vitamin B12, Jod) vermeiden
Supplemente nur nach Bluttest und in Absprache mit dem Arzt einnehmen
Bewegung
regelmässiges Kraft- und Ausdauertraining
aktiver Alltag
Schlaf
mindestens 7–8 Stunden pro Nacht
auf gute Schlafqualität achten
Lebensstil
nicht rauchen
keinen Alkohol trinken
soziales Leben pflegen
Stress reduzieren und Entspannung fördern
Mehr lernen und gesund bleiben
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Quelle Prof. Dr. Ref. Nat. Martin Smollich Ernährungsmediziner forscht an der Uniklinik Schleswig-Holstein.







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